Klaus Langerfelds Rennsport-Bertone ist im Prinzip ein Recycling-Produkt. Während des Aufbaus eines GT 2000 Veloce (italienisch: schnell) für die Straße, hatte der Hobbyrestaurator neben einer Vielzahl von Teilen auch sehr seltene Türen erstehen können. „Nur hing da noch eine Karosserie dran”, schmunzelt der Rheinländer. Und diese wurde zur Basis eines weiteren GTV-Projekts erkoren. Diesmal entstand auf besonderen Wunsch von Ehefrau Maria ein Alfa GT für die Rennstrecke. „Bevor die Kinder da waren, sind wir lange auf Golf nationale Rallyes gefahren”, erklärt Klaus Langerfeld die Rennsportbegeisterung des Ehepaars. Jetzt, da die Kinder aus dem Haus sind, lockt die Rennstrecke wieder mit aller Macht.
In seiner Jugend hatte sich der Alfista während der Schulferien in einer Autowerkstatt das Taschengeld aufgebessert und sich einiges abgeschaut. Obwohl der Bastler mit den Jahren das Erlernte vertiefte, zog sich der Aufbau über zwei Jahre hin, da nur am Feierabend geschraubt wurde. „Im Prinzip ist die Versorgung mit Blechteilen sehr gut”, weiß Klaus Langerfeld, „mit Ausnahme von Scheibenrahmen und Türen”. Die Schwachstellen des Bertone sind die Schweller im Bereich A-Säule, die Radläufe, die Bohrungen für die Gummistopfen im Bodenblech, die Reserveradmulde sowie der untere Scheibenrahmen der Heckscheibe. Ein defekter Vergaser oder ein poröser Ansaugflansch sind ebenfalls keine Seltenheit.
Für das Motorsportprojekt konnte der Bastler eine abgebrochene Restauration aufkaufen, der er Motor, Getriebe, eine brauchbare Antriebsachse und diverse Kleinteile entnahm. Der Käfig wurde in Neuwied bei der Firma Hemmerle – heute leider selbst Historie – fest eingeschweißt. Ansonsten kam nur das Nötigste wie Recaro Vollschalen, 5-Punkt-Gurte, Sportlenkrad, Tripmaster und Feuerlöscher an Bord des 72er-Modells.
Anschließend nahmen die Langerfelds Kontakt zu Reinhard Klein, dem Gründer der „Slowly Sideways”, auf, um sich der Gruppe anzuschließen. Die „Slowly Sideways” ist ein Zusammenschluss von Rallyesportenthusiasten, die historische Fahrzeuge aus dem internationalen Rallyesport oder auch Replicas auf der Rennstrecke präsentieren. Die Alfisti entschieden sich für den Trimm des Teams Fagniola/Novarese, das 1975 bei der Rallye Sanremo teilgenommen hatte. Die Nachbildung der „Kriegsbemalung” gestaltete sich allerdings recht schwierig, da aus jener Zeit nur wenige Farbfotos existieren. Hier konnte zum Glück der Motorsportfotograf Reinhard Klein mit Bildmaterial aus seinem Archiv weiterhelfen.
Die Zweilitermaschine unter der aufwendig gestalteten Motorhaube leistet dank schärferen Nocken, neu bedüsten 40er Weber Vergasern und einer Sportauspuffanlage inklusive Fächerkrümmer 140 PS. Mit der kurz übersetzten 1600er-Hinterachse beschleunigt das rallyebegeisterte Ehepaar seit drei Jahren deutlich besser aus den Kurven. Wer wann Fahrer oder „nur” Beifahrer ist, führt immer kurz vor der Jahreswende zu heftigen Diskussionen bei den Langerfelds. Auf der Strecke aber hat letztendlich der Fahrer das Lenkrad im Griff und der Beifahrer das Sagen. „Wir sind natürlich alle keine Weltmeister”, lacht Klaus Langerfeld. „Obwohl wir nicht auf Zeit fahren, geht es aber auch schon mal quer zur Sache.”




