Die Coupé-Version der Giulia ist eine automobile Legende. Giorgetto Giurgiaro hat als Anfang zwanzigjähriger Chefdesigner bei Bertone die klassische Form der Giulia Sprint GT entworfen, die umgangssprachlich schlicht „Alfa GT” oder noch häufiger „Bertone” genannt wurde. Damals wie heute begeistert das Auto sowohl auf der Straße als auch auf der Rennstrecke. „Ich finde, es ist eines der schönsten Autos in der Automobilgeschichte überhaupt”, sagt Jochen Clahsen, der Leiter von Premio und begeisterter Besitzer eines modifizierten „GT 1300 Junior”. Klaus Langerfeld, der als Dunlop-Außendienstmitarbeiter die Heinz Lies GmbH betreut, ist mit seiner Frau Maria in der Freizeit mit einem Zweiliter-GTV auf historischen Rennstrecken unterwegs. Die beiden sind mit ganzem Herzen Alfisti und haben mit Daniel Flierenbaum, Werkstattleiter und Kfz-Meister des Hennefer Unternehmens einen kompetenten „Premio Tuning Classic”-Partner. Jochen Clahsen war schon als Kind im Sommer regelmäßig mit seinem Vater auf dem Nürburgring, wo ihn die Alfa GTs bei jedem Rennen in den Bann schlugen. Später, während des Studiums, schaute er den „Bertones” hinterher, die in großer Zahl Mitte der Achtzigerjahre als beliebte Boy Racer buchstäblich verheizt wurden. Als Student konnte er sich das Coupé natürlich nicht leisten. Aber im April 1996 machte er seinen Traum wahr und tauschte seinen zwei Jahre jungen Alfa 33 gegen einen 21 Jahre alten Alfa-Bertone ein.
Dieser „GT 1300 Junior” war durch die werkseitige Angleichung der Frontpartie im Mai 1974, abgesehen vom Schriftzug auf dem Kofferraumdeckel, nur noch an den kleineren Rückleuchten und den fehlenden Stoßstangenhörnern als solcher zu erkennen.
Der Vorbesitzer hatte das Auto Ende der Achtzigerjahre bereits teilrestauriert. Dabei war die schwarze Kunstlederinnenausstattung durch schwarz-rotes Leder ersetzt worden, die Kanneloni-Optik der Sitzflächen aber erhalten geblieben. Weil die Verarbeitung stimmte und Außen- und Innenfarbe harmonierten, sah Jochen Clahsen keinen Handlungsbedarf. Dem Nachwuchs zuliebe rüstete der Vater von zwei Söhnen im Fond Gurte nach, sodass er hier Kindersitze festschnallen kann.
Der Motor, ein technisches Meisterwerk mit zwei obenliegenden Nockenwellen, war in seiner Grundform schon in den Fünfzigerjahren in der Giulietta verbaut worden. Anstelle des originalen 1300ers hustete beim Kauf ein Zweiliter-Triebwerk dicke blaue Wolken durch den Auspuff ins Freie. Sehr zum Ärger von Freunden der Clahsens, die während einer Oldtimerausfahrt hinter dem „Junior” in massive Atemnot gerieten und die Front ihres cremeweißen Karmann später von unzähligen Ölflecken befreien mussten.
Daniel Flierenbaum, Werkstattleiter des Premio-Partners Heinz Lies GmbH nahm sich des Alfa GT an und stellte für die offensichtlich dringend notwendige Motorrevision den Kontakt zu Peter Bazille von der B&F Touring Garage in Troisdorf her, einem in Fachkreisen weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannten Restaurationsbetrieb. Er selbst hat dort gelernt und seinen Meisterbrief erworben. Daher ist der Premio-Betrieb in Hennef, den er in absehbarer Zeit übernehmen wird, inzwischen auch zu einer Anlaufstelle für die unterschiedlichsten Klassiker geworden. Neben passenden Reifen, Felgen und Stoßdämpfern erhalten die Klassik-Kunden tatkräftige Unterstützung, wichtige Tipps oder nützliche Adressen.
Jochen Clahsens Zweilitermaschine erhielt bei B&F eine nahezu komplette Runderneuerung. Leider nicht nur einmal: Denn der Versuch, die Zündspule und den Luftfilter selbstständig auszutauschen – „Das kann ja wohl nicht so schwer sein!” – endete in einer weiteren Totalrevision. Eine Befestigungsmutter der Zündspule hatte sich durch einen der beiden Dellorto-Vergaser in einen Brennraum durchgekämpft und dort vor dem Abgang für viel Unordnung gesorgt. Neben neuen Laufbuchsen und Rennsportkolben kamen diesmal auch scharfe Nockenwellen zum Einsatz, sodass auf der Rolle von Victor Günther in Köln am Ende statt der serienmäßigen 131 stattliche 146 PS zu Buche schlugen.
„Der Bertone ist ein sehr solides Auto, das einen in der Regel nicht im Stich lässt”, lobt Jochen Clahsen seinen Alfa. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Und die erlebte der Premio-Chef an jenem Wintermorgen, an dem er und seine Liebste das Aufgebot für die Hochzeit bestellen wollten. Aus der standes(amt)gemäßen Fahrt im Bertone wurde aufgrund einer kaputt gefrorenen Kraftstoffpumpe nichts. Dem Familienglück hat das vermeintlich schlechte Omen aber definitiv nicht geschadet!




